Das ist ein Bericht ueber die Lebensgeschichte von Joseph aus Pudu Udhayam, den wir fuer die KKS verfasst haben. Viel Spass beim Lesen!
Laura und Laura
Wenn man die Sonderschule von Pudu Udayam betritt, hoert man Joseph ueber die Stimmen der anderen Kinder hinweg lauthals “January, February, March…” rufen.
Die zwoelf Monate auf Englisch zu lernen, ist eins seiner vier Unterrichtsziele, die er momentan zusammen mit seiner Lehrerin Marilyn uebt. Umringt von den anderen Kindern, wuerde man nicht vermuten, dass Joseph der Grund ist, warum es Pudu Udayam gibt.
Mit drei Jahren wurde er von seinen Grosseltern, die behaupteten, ihn auf der Treppe einer Kirche in Periyakulam gefunden zu haben, im St. Joseph’s Development Trust (SJDT) abgegeben. Josephs Zustand war so schlecht, dass ungewiss war, ob er die folgenden Wochen ueberleben wuerde. Er war an Polio erkrankt, sein Arm und seine Beine dadurch behindert, schwach und unterernaehrt. Vermutlich versteckten seine Grosseltern deswegen ihre wahre Identitaet, da sie ihn nicht laenger versorgen konnten. Wo seiner Eltern waren oder was mit ihnen passiert war, wusste man nicht.
Als Joseph vor elf Jahren aufgenommen wurde, bestand SJDT lediglich aus “Boy’s Village”, einem Waisenhaus fuer Jungen, das an den Konvent der “De-La-Salle-Brueder” angeschlossen war. Da Joseph mehr Aufmerksamkeit als die anderen Jungen brauchte, wurde er zusammen mit ein paar Waisenmaedchen von zwei Betreuerinnen im Konvent grossgezogen – gemeinsam bildeten sie eine kleine Familie. Im Laufe der naechsten vier Jahre kamen immer mehr Maedchen und behinderte Kinder hinzu, sodass im Jahr 2000 “Girl’s Village – Pudu Vasantham” gegruendet wurde. Bis zur Eroeffnung von “Pudu Udayam” 2003 wohnten die behinderten Kinder in einem kleinen Haus auf dem Campus von Pudu Vasantham. Heute ist Pudu Udayam das Zuhause und eine Schule fuer 50 geistig und koerperlich behinderte Kinder.
Die Betreuerinnen von damals koennen kaum glauben, wie gut sich Joseph entwickelt hat. Bis vor zwei Jahren konnte er weder laufen, noch richtig sprechen. Dank der intensiven Physiotherapie und des Unterrichts in der Sonderschule, kann er mittlwerweile kuerzere Strecken zuruecklegen und immer besser sprechen. Auch seine geistige Behinderung bekommt er immer besser in den Griff, sodas er bald Schreiben und Lesen lernen wird. Ganz sind die Spuren der Polioerkrankung jedoch noch nicht verschwunden: Im Vergleich zu anderen Kindern seines Alters wirkt er aeusserlich eher wie ein Siebenjaehriger und nicht wie ein Fuenfzaehnjaehriger. In Pudu Udayam hat Joseph ein Zuhause und viele Freunde gefunden und fuer die Gruender und Mitarbeiter des SJDT wird er immer etwas Besonderes bleiben.
Letzte Woche wurde entschieden, dass Joseph sich naechstes Jahr einer grossen Operation unterziehen muss, die ihm ein problemloses Laufen ermoeglichen soll. Die Operation koennte ihm dann ganz neue Perspektiven fuer seine Zukunft geben: Es waere moeglich, dass er als Fahrer einer Autorikscha oder als Mitarbeiter des SJDT arbeiten wuerde.
Bis dahin ist es allerdings noch ein langer und muehsamer Weg. Erstmal muss er weiter seine vier Ziele ueben, um die Pruefung kurz vor Weihnachten zu bestehen. In der Sonderschule von Pudu Udayam wird man ihn also noch laenger “January, February, March…” rufen hoeren.
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